Zwischen Games, Büchern und anderen Welten – Medienbezogene Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Shownotes

In der neuesten Folge von Seelenstruggle geht es um ein Thema, das wohl jeder kennt: Wie schnell Medien uns in ihren Bann ziehen. Ob Videospiele, Social Media oder das stundenlange Bingen von Serien – plötzlich ist der ganze Tag vorbei und es fällt kaum auf, wie viel Zeit in der digitalen Welt verbracht wurde. Doch was passiert, wenn der Medienkonsum zu viel wird? In dieser Episode teilen unsere Gäste Nick und Laura ihre persönlichen Erfahrungen. Nick erzählt, wie er sich immer wieder in Jump-and-Run-Spielen verlor, während Laura tief in ihren Fantasiewelten versank. Beide berichten davon, wie Medien ihr Leben beeinflussten und warum es so entscheidend ist, ein gesundes Gleichgewicht zwischen der digitalen und der realen Welt zu finden. Doch wie lässt sich erkennen, wenn der Medienkonsum zu viel wird? Und wie gelingt der Schritt zurück in die „echte“ Welt? In dieser Folge geben Nick und Laura wertvolle Einblicke und Tipps, wie sich wieder mehr Achtsamkeit im Umgang mit digitalen Medien entwickeln lässt.


Wir bedanken uns bei der kooperierenden Wohngruppe! Wenn du dich gerade nicht gut fühlst, findest du hier wichtige Informationen und Hilfsangebote, die dir weiterhelfen können. Du bist nicht allein. https://krisenchat.de www.telefonseelsorge.de https://www.bzga.de/service/beratungsstellen/ https://www.psychotherapeutensuche.de/suche/

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Transkript anzeigen

00:00:00: Wenn ich beim Zocken bin, dann versinke ich da, blende alles um mich herum aus, krieg auch so nix mehr mit.

00:00:07: Meistens mit Kopfhörern klappt das noch besser.

00:00:09: Und ja, wenn ich so in meiner eigenen Welt kann da tun lassen, was ich möchte, das ist dann auch entspannt.

00:00:14: Zwischen Games, Büchern und anderen Welten.

00:00:17: Medienbezogene Störung bei Kindern und Jugendlichen.

00:00:20: Wir sprechen über psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen

00:00:24: mit

00:00:24: Betroffenen, Angehörigen und Experten.

00:00:27: Seelen Struggle, dein Podcast der LWL Uniklinik Hamm.

00:00:31: Herzlich willkommen zu einer neuen... Folge und auch einer neuen Staffel Seelen Struggle.

00:00:37: Wir sind in der zweiten Staffel schon, das ist der Wahnsinn.

00:00:40: Schön, dass ihr uns so viel Feedback gegeben habt in der ersten Staffel und zu den ersten Folgen.

00:00:44: macht gerne so weiter, schreibt uns an, seid schonungslos ehrlich, ballert uns zu.

00:00:49: Wir sind jetzt seit die ganze Zeit schon wir, vielleicht sollte ich noch mal sagen, wer hier sitzt, sind ja vielleicht auch ein paar Neue dazu gekommen, was.

00:00:54: Also mich hört er jetzt schon hier ganz fleißig.

00:00:56: Ich bin Kai, ich arbeite sonst im Radio.

00:00:59: Und bin aber nicht alleine hier, sondern Davina, die Kind ist schon aus der ersten Staffel jedenfalls die meisten, die ist auch wieder da.

00:01:05: Hi.

00:01:06: Du bist Therapeutin in der LWL Uniklinik in Hamm.

00:01:10: Genau.

00:01:11: Und heute haben wir ein Thema, wo ich denke, da weiß ich schon alles zu und wahrscheinlich habe ich wieder keine Ahnung.

00:01:18: Genau, wir sprechen heute über Medienbezogene Störungen.

00:01:21: Da

00:01:22: stelle ich mir sofort vor Zocker.

00:01:24: Über Zocker, denkst du?

00:01:25: Ja, über Zock sucht.

00:01:26: Ich zock die ganze Zeit Playstation, Computer.

00:01:30: Darüber denke ich nach.

00:01:31: Das ist, was man ja erstmal damit verbindet.

00:01:33: Wir können später noch mal darüber quatschen, ob das wirklich alles ist, was man unter Medienbezogenen Störungen so versteht.

00:01:39: Aber dafür finde ich mega spannend, dass wir uns erst mal anhören, was unsere Gäste denn dazu heute erzählen.

00:01:44: Wir haben heute zwei Gäste da.

00:01:46: Die Namen haben wir in Absprache mit den beiden, wie immer, verändert.

00:01:50: Heute sprechen mit uns Nick und Laura, die sind siebzehn und einzwanzig.

00:01:54: Was schon krass ist, ne?

00:01:55: Also wieder eine krasse Range an Alter.

00:01:57: Voll.

00:01:57: Und ja, haben natürlich auch ihre Geschichten im Gepäck.

00:02:00: Genau.

00:02:00: Und die erzählen uns, was die eigentlich so mit Medien... bezogenen Störungen so zu tun haben.

00:02:05: Und ich glaube, danach sind wir ein bisschen schlauer.

00:02:10: Ja, wir sind hier mit Nick und Laura.

00:02:12: Hallo.

00:02:13: Und ich spreche jetzt erst ein bisschen mit Nick.

00:02:16: Laura ist am Start und ich bin total happy erst mal, dass ihr da seid.

00:02:19: Ich finde das richtig cool, dass ihr Bock habt, ihr mitzumachen und wir ein bisschen über euer Leben und auch eure Störungen, eure Krankungen.

00:02:26: Wie sage ich denn richtig?

00:02:27: Was sagt ihr denn?

00:02:28: Medien sucht.

00:02:29: Also ich würde es auch eher als Sucht bezeichnen, als Erkrankung.

00:02:32: Eine Sucht ist ja eine Erkrankung deswegen.

00:02:34: Das habe ich auch schon gelernt.

00:02:35: Und wie, jetzt wenn ich über dich erst mal spreche, wir haben eine Rubrik, die heißt Seel'n Struggle Feelings.

00:02:41: Und wenn ich jetzt den Satz sage und du ihn vollendes, Seel'n Struggle Feelings.

00:02:46: Mediensucht fühlt sich für mich an wie?

00:02:49: Als wenn ich in meiner eigenen Welt versinke, die ich kontrollieren kann.

00:02:53: Wenn ich so dabei bin, jetzt sagen wir mal, wenn ich beim Zocken bin, dann versinke ich da, blende alles um mich herum aus, krieg auch so nichts mehr mit.

00:03:01: Meistens mit Kopfhörern klappt das noch besser.

00:03:04: Und wenn ich so in meiner eigenen Welt kann da tun lassen, was ich möchte, das ist dann auch entspannend.

00:03:09: Ich finde das mega aufregend.

00:03:10: Wir haben kurz vorhin schon gequatscht und ich habe mal offenbart, wo ich zockermäßig stehen geblieben bin, nämlich irgendwann Anfang der Neunziger und weiter ging es auch nicht, weil ich einfach unfähig bin, das hinzukriegen.

00:03:19: Aber du hast oder du spielst hauptsächlich, spielst zur Konsole PC, ist das egal?

00:03:24: Ich spiel hauptsächlich Konsole und auch, dann eher Jumpman-Spiele oder RPGs.

00:03:29: Und das ist auch, das ist schon immer dein Ding.

00:03:31: Das war schon immer so, lag auch rund an, daran, dass ich kein Internet hatte, wofür ich irgendwas anderes online spielen konnte.

00:03:39: Deswegen so offline.

00:03:40: Jumpman war dann eben das, worauf ich zurückgegriffen habe.

00:03:43: Das Erste für dich?

00:03:44: Ja.

00:03:45: Du bist ein Zwanzig?

00:03:46: Richtig.

00:03:47: Und bist schon ein bisschen, du bist jetzt seit anderthalb Jahren in der Wohngruppe?

00:03:51: Ungefähr ja.

00:03:52: Ich würde ganz gerne weiter vorne anfangen.

00:03:54: Wie kamst du dazu?

00:03:56: Wann oder erinnerst du dich noch, wann ... Das Spielend für dich, was war, was dich noch nicht irgendwie beeinflusst hat oder wo du sagen würdest, es war, du hast irgendwann von einem normalen Maß gesprochen oder gesunden Maß.

00:04:07: Ja, das war noch so Kindergarten-Grundschulzeit, wo es noch so im gesunden Maß war, wo ich dann auch öfters draußen war, weil ich dann auch jung und recht aktiv war, also ich auch häufig rausgegangen bin.

00:04:20: Und dann so später auch nach der Scheidung meiner Eltern eben gab es dann auch zwischen meinen Eltern immer noch jünger Probleme.

00:04:27: Und vor denen wollte ich flüchten und habe mich dann immer mehr und mehr mit der Zeit eben in die Medien zurückgezogen.

00:04:32: Also sprich an die Konsole gehangen.

00:04:34: Und das wurde dann irgendwann auch so viel, dass ich das quasi tagtäglich gemacht habe.

00:04:37: Ich bin zur Schule gegangen, wenn überhaupt.

00:04:39: Manchmal bin ich auch nicht gegangen, habe dann geschwänzt quasi.

00:04:42: War dann wieder zu Hause und saß dann den ganzen Tag bis mitten in der Nacht vor der Konsole.

00:04:48: Jetzt müsste ich eigentlich fast nochmal wieder zu dem Satsch bringen, Seelenstruggle-Feelings.

00:04:52: Und ich würde das Mediensucht gerne durch Spielen ersetzen.

00:04:55: Ja.

00:04:55: Spielen fühlt sich für mich an wie.

00:04:57: Ist das was anderes oder ist das das Gleiche?

00:04:59: Für mich ist das das Gleiche.

00:05:01: Weil ich ja eben durch das Spielen, da eben also mich von den ganzen Problemen distanzieren konnte, was mich dann eben auch abgelenkt hat.

00:05:08: Und für dich gab es da einen wichtigen, eine wichtige Richtung oder einen Punkt, an den du mich erinnerst, wo du gesagt hast, da habe ich erst realisiert, dass das gerade nicht mehr gesund ist.

00:05:17: Das Maß.

00:05:18: Das habe ich dann realisiert, als ich dann, nachdem ich mein Fachabi gerade so geschafft habe, dann haben wir erst mal ohne Ausbildung täglich zu Hause war und dann ist dann irgendwie nur noch krach gehabt mit den Eltern, wo ich dann auch nicht mehr wirklich fliehen konnte durch Zock, weil ich ja eben wirklich immer da war.

00:05:37: Stechen wir irgendwie total irgendwie komplex vor, weißt du?

00:05:41: Einerseits machst du das, was dir gerade Sicherheit gibt und andererseits realisiert oder kommt langsam raus, dass das auch ein Stück weit ein Problem ist.

00:05:49: Also weißt du, das klingt für mich nach einem riesigen Konflikt für dich, weil das ja, also so wie ich mir vorstelle und so wie du das erzählst, eigentlich für dich das Schönste des Tages war.

00:06:01: Das war ja auch das Schönste des Tages.

00:06:02: Ja.

00:06:03: Nur es ist halt immer auch nicht schön, wenn man dann da auch ständig irgendwie drin unterbrochen wird, so da rausgezogen wird.

00:06:09: Das finde ich, dass noch irgendwann so weit ging, dass ich dann häufig nicht mehr zu Hause war und dann so eben... dem Stress zu entfliehen, aber ich war ja auch noch in therapeutischer Behandlung und auch meine Therapeutin hat gesagt, dass sie mich da so nicht wirklich therapieren kann, weil ich da was Stationäres bräuchte und nicht irgendwie alle ein, zwei Wochen eine kurze Therapie bei ihr.

00:06:29: Also hat sie mir dann hier das Oxilium Reloaded vorgeschlagen.

00:06:33: Und wir haben jetzt schon ein paar Folgen irgendwie aufgenommen und also die Sätze fielen.

00:06:38: Ja, da würde ich dir gerne was Stationäres vorschlagen.

00:06:40: Da gibt es Psychiatrien, die sich damit auskennen oder Wohngruppen.

00:06:44: Das löst verschiedenst bei den beiden Menschen aus.

00:06:46: Was war bei dir?

00:06:47: Was hat das mit dir gemacht, das zu hören?

00:06:49: Also, ich meine, wirklich informiert darüber habe ich mich jetzt nicht.

00:06:52: Das hat meistens eher meine Eltern gemacht, weil sie mir unter anderem auch helfen wollten, weil ich manchmal gerne auch Sachen schleifen lasse oder so von mir weg schiebe.

00:07:01: Aber dann hatte ich dann auch irgendwann ein Gespräch mit der LWL-Klinik im Bochum, so ein Diagnosegespräch, kein Eignungs-Test-Diagnosegespräch, wo dann auch gesagt wurde, dass auch die LWL-Klinik im Bochum für erforderlich sieht, dass dann eine stationäre Behandlung zustande kommt und durch dann auch einen Empfehlungsschreiben eben hingekriegt

00:07:19: hat.

00:07:19: Ja, ich weiß noch, als ich das erste Mal, jetzt hole ich hier aus, das erste Mal, als ich zur LWL-Klinik nach Hamm gefahren bin, bin ich mit so einem Sack vor der Vorurteile zu einer Kinder- und Jugendpsychiatrie gefahren.

00:07:31: Weißt du, was man alles so, keine Ahnung, ich hatte gar kein Bild.

00:07:35: Ich wusste gar nicht, was mich erwartet.

00:07:36: Und du hast dir selbst auch gerade gesagt, ich habe mich damit eigentlich nie auseinandergesetzt.

00:07:40: Wie war das dann so, du bist zum ersten Gespräch dann?

00:07:44: Richtig.

00:07:44: Da hingegangen.

00:07:46: War das für dich ein positives Erlebnis?

00:07:48: Ja, so positiv war es jetzt nicht, weil es war auch nicht negativ, weil es mir dann auch im Endeffekt sehr geholfen hat.

00:07:51: Also im Endeffekt war es positiv, ja.

00:07:55: Aber als ich dann da in dem Moment saß, war ich glaube ich eher nervös.

00:07:58: Weil ich bin eigentlich eher jemand, der nicht viel redet.

00:08:02: Er ist der ruhige Typ.

00:08:03: Mein Vater war dabei.

00:08:05: Er hat den größten Redezeit übernommen und den Therapeuten einiges erklärt.

00:08:09: Aber ich habe auch eine Zeit lang mit den Therapeuten immerhin gesprochen.

00:08:11: Er hat mir ein paar Fragen gestellt, die habe ich dann eben beantwortet.

00:08:14: Und gab es irgendwie Momente, weil manchmal so eine Sucht ist ja auch was Fieses, ne?

00:08:18: Weil du bist einerseits merkst du, ja, ich habe eine ... Das ist irgendwie gerade kein gesundes Maß für mich oder ich habe ein Problem damit aufzuhören.

00:08:27: Und gleichzeitig wünscht man sich das ja.

00:08:30: Also ein Teil von einem will mir damit gar nicht aufhören wahrscheinlich.

00:08:32: So stelle ich es mir vor.

00:08:34: So was, oder?

00:08:35: Ja.

00:08:36: Gerade so beim Spielen, beim Mediensucht und bei so medienbezogenen Dingen.

00:08:41: Man kann ja nicht richtig vor den fliehen, denke ich mir.

00:08:43: Oder wie ist das?

00:08:45: Nee, heutzutage ist ja alles möglich im Medium.

00:08:47: Sei es jetzt das Handy oder die Konsole, Fernseher.

00:08:50: Da kann man heutzutage nicht richtig vorfliehen.

00:08:53: Man kann das nur auf ein gesundes Maß reduzieren, aber man kann es nicht wie jetzt bei einem Alkoholsüchtigen den Alkohol verbieten.

00:08:59: Das ist ja ein mega gutes Beispiel, ja genau.

00:09:01: Das ist ja das, was man häufig denkt.

00:09:03: Ja, dann lass es sein, aber du kannst dich dem ja gar nicht entziehen.

00:09:06: Also gerade, wenn man auch über Schule, wenn man über Ausbildung, wenn man über Job nachdenkt, ich glaube es gibt heute noch einen Job ohne irgendwie medienbezogenes Arbeiten oder so, das ist natürlich auch schwierig.

00:09:18: Okay, das ist für mich zum Verständen schon mal cool.

00:09:21: Und dann, wie war dein Weg hier in die Wohngruppe?

00:09:23: Wie war das für dich?

00:09:25: Das war dann dein erster Auszug von zu Hause, oder?

00:09:28: Das stimmt, das war mein erster Auszug.

00:09:29: Krass.

00:09:31: Ich meine, die ersten paar Nächte, die waren schon seltsam, dass ich da nicht zu Hause geschlafen hab, also nicht mal gewohnt habe.

00:09:37: Das Bett ist auch richtig unbequem gewesen zu der Zeit.

00:09:39: Ich musste mich da ein bisschen einschlafen.

00:09:42: Am Anfang hatte ich zwei Wochen eine Monotholingphase.

00:09:45: Was?

00:09:46: Eine Monitoring-Phase.

00:09:47: Das ist auch eine Eingewinnungsphase, auch für die Betreuer hier, damit sie gucken, wie ich mein Handy nutze.

00:09:52: Da konnte ich dann so ab Mittags mein Handy abholen und bis abends zur Zimmerzeit behalten.

00:09:58: Ah krass, okay.

00:09:59: Und nach dem Zeitwochen hat sich das auf eine Stunde reduziert.

00:10:02: Ui,

00:10:03: ja.

00:10:03: Boah, eine Stunde, ich muss das mal ganz kurz für mich begreifen.

00:10:06: Ich glaube, die habe ich vor dem Frühstück dann schon.

00:10:08: Manchmal.

00:10:09: Es kommt darauf an, wenn du Sachen hast du, die du abklären musst.

00:10:11: Also ich bin erschrocken manchmal.

00:10:12: Es gibt ja diese Funktion, Bildschirmzeit und so, kannst du ja sehen.

00:10:17: Also wirklich.

00:10:19: Ich glaube, da ist jeder schnell erschrocken, weil wenn man das selbst einschätzt, ich kenne niemanden, der da zu viel schätzt.

00:10:24: Sondern ich kenne nur Leute, die sagen würden, ja, ich werde mal zweieinhalb Stunden rauchen oder so.

00:10:30: Und dann guckt man dahinter drauf.

00:10:32: Und sind vier.

00:10:33: Alter.

00:10:36: Es gibt Tausend Studien, es gibt immer wieder Artikel in Zeitungen beim Radio, wo auch immer, dass die Mediennutzung generell bei Jung und Alt steigt, gerade natürlich nach Corona wahrscheinlich noch mal extremer.

00:10:49: Wir hatten ja schon drüber gesprochen, dass das wirklich ein Thema ist.

00:10:53: immer mehr aufkommt und eine Stunde, auch manchmal für eine Titel.

00:10:55: eine Stunde, wenn der kompliziert ist, weißt du, wenn man ihn liest.

00:10:59: Das ist krass.

00:10:59: Okay, wie war das für dich?

00:11:00: Das finde ich spannend.

00:11:02: Also die eine Stunde, das war schon recht seltsam, weil sonst hatte ich ein Handy eigentlich fast immer parat, wenn ich es wollte.

00:11:07: Und

00:11:09: dann hatte ich auch recht viel Freizeit.

00:11:12: Auf einmal, die ich irgendwie ohne Handy verbringen musste.

00:11:14: Ja, was hast du gemacht?

00:11:16: Unter anderem habe ich mehr angefangen zu lesen.

00:11:20: Also ich liest gerne Prüller.

00:11:22: Hauptsächlich von Sebastian Fizek, der Rest, der catcht mich nicht wirklich so, er festelt mich nicht so.

00:11:28: Ja, Wahnsinn, ey.

00:11:30: Also, ist eine schöne Beobachtung, weil manchmal fällt einem ja gar nicht auf, wenn man da sitzt und wie schnell man dann doch daran verfällt, was das so nichts tun tut, fällt einem schon manchmal schwer.

00:11:41: Und so, dass er mal mal fällt, ach krass, ich hab jetzt so viel Freizeit.

00:11:45: Wie ist dein Tagesauflauf?

00:11:48: Also wie funktioniert das für dich?

00:11:49: Du bist anderthalb Jahre hier.

00:11:51: Ja.

00:11:51: Wie läuft so dein Tag ab?

00:11:53: Also mein aktueller Tag ist Ablauf unter der Woche ist, ich stehe morgens auf, gehe entweder zur Schule oder zur Arbeit.

00:11:59: Je nachdem was für ein Wochentag gerade ist, kommen dann wieder und macht dann so erstmal meine Aufgaben, die ich machen muss, sagen wir, Zimmer putzen oder Bad putzen, je nachdem was am Tag anfällt.

00:12:08: Dann koche ich noch für mich, dann ist auch schon meistens abends acht Uhr nach dem Abendessen dann und dann bin ich meistens im Zimmer und schalte dann nochmal so ein bisschen Abwunsch auf, vielleicht ein Krimi.

00:12:17: ...

00:12:17: geht schnell rundherz so einen Tag, ne?

00:12:19: Ja, wenn man nicht hier ist den ganzen Tag von draußen irgendwas zu tun hat, dann ja.

00:12:23: Ja,

00:12:23: das ist schon krass.

00:12:25: Du hast immer gesagt, du hast dich über das Spielen in so eine sichere Welt ... ... gerettet.

00:12:29: Und du hast nicht, also du hast ja Offline gespielt.

00:12:31: Ja.

00:12:32: Okay.

00:12:33: Weil beim Jump and Run, ich bin jetzt kein Zocker, ... ... aber du hast mir schon erklärt, das ist so was wie Super Mario.

00:12:38: Ja.

00:12:38: So kann man, also das ... ... eine Figur meistens, wenn von ... durch den Level und bewegt sich die ganze Zeit, deswegen auch der Name.

00:12:45: Genau.

00:12:46: Es ist ja nicht die Kommunikation bei diesen Spielen zum Beispiel.

00:12:48: Nein.

00:12:50: Also, nachdem, ob ich das Spiel schon mal schon mal durchgespielt habe und noch einen angefangen habe, also wenn ich es noch einen angefangen habe, dann wollte ich natürlich erstmal die ganzen Level schaffen.

00:12:58: So, das war so mein erstes Ziel.

00:13:00: Und dann nehmen wir mal Super Mario als Beispiel, da kann man in jedem Level nochmal Sternmünzen sammeln.

00:13:06: Das war dann so das nächste Ziel.

00:13:07: In jedem

00:13:08: Level alle Sternmünzen zu sammeln.

00:13:10: Ja, krass.

00:13:10: Du hast auch schon gesagt, du hast irgendwann bist du gar nicht mehr rausgegangen.

00:13:14: Du hast dich im Prinzip nur noch in das Spiel geflüchtet, ne?

00:13:17: Ja.

00:13:18: Also

00:13:18: würdest du sagen, weil man sagt, ja häufig ist so eine Sucht oder auch eine psychische Erkrankung, die ja auch eine Sucht ist, wird dann zum Problem, wenn sie sich auf das eigene Leben oder auf das Leben irgendwie von anderen aus wirkt.

00:13:32: Und war das für dich ein Selbsterkenntnis?

00:13:34: ... Prozess, dass du gesagt hast, ... ... ich habe noch nicht ganz rausgehört, ... ... ob bei dir das Spielen an sich das Problem war ... ... oder nur, dass du den Streit wegen des Spielens hattest.

00:13:44: Ja, wegen den Spielen hatte ich ja Streit ... ... und habe auch unter anderem ... ... vernachlässigt, ... ... nämlich mit meinen Freunden eben zu treffen, ... ... die ich da noch hatte, ... ... also ich habe immer noch, ... ... sie wohnen alle woanders, ... ... also das Treffen ist gerade aktuell ein bisschen schwierig.

00:13:56: Das habe ich vernachlässigt, ... ... ich habe auch die Familie vernachlässigt, ... ... weil ich da den ganzen Tag nur bei mir im Zimmer saß, ... ... habe also auch nichts mit denen unternommen, ... ... wenn die mal irgendwie draußen waren.

00:14:05: Da auch die Schule habe ich vernachlässigt.

00:14:06: Ich bin zwar hingegangen, aber als ich dann wieder zu Hause war, ich habe keine Hausaufgaben oder so gemacht, auch nicht für Arbeiten gelernt.

00:14:13: Deswegen war ich ja hier und da mal froh, wenigstens mit einer Führer nach Hause gekommen zu deinen Arbeiten.

00:14:17: Das war ich ja auch.

00:14:19: Nein, aber das kann ich verstehen.

00:14:21: Das verfliegste an so einem Spiel ist natürlich, das ist ja auch immer verfügbar.

00:14:26: Ja.

00:14:28: Das stelle ich mir vor, wenn man so klassisch über Sucht nachdenkt, oder dann ist häufig eine Sucht auch etwas, was viel Geld kostet, was nicht immer verfügbar ist oder teilweise auch gesetzlich legitimitiert, das hast du ja beim Spielen nur gedingt.

00:14:42: Klar, es gibt Spiele, die kosten Geld, aber es gibt ja auch verdammt viele Spieler, gibt es da einmal, wenn überhaupt Geld für aus, und hast sie dann, oder man kriegt sie irgendwo

00:14:48: her.

00:14:49: Meinst du, dass es immer verfügbar ist?

00:14:52: Ist das für dich ein Problem gewesen?

00:14:53: Ich

00:14:53: meine, dadurch, dass es eben immer verfügbar war, habe ich mich da eben jeden Tag dran gesetzt.

00:14:57: Ich glaube, wenn es nicht jeden Tag verfügbar gewesen wäre, hätte ich vielleicht noch versucht, was anderes zu machen.

00:15:01: Deswegen saß ich dann da und habe gespielt.

00:15:05: Als jetzt hast du jetzt noch eine eingeschränkte Medienzeit?

00:15:08: Also für das Handy nicht mehr, das habe ich, für meine anderen Geräte müsste ich Bonuskarten abgeben, die ich mir hier verdienen kann.

00:15:15: Dann könnte dann für ein, zwei Stunden in der Blackbox spielen.

00:15:17: Ah, ja, okay.

00:15:19: In der Blackbox?

00:15:19: Das ist unser Zockerraum.

00:15:21: Ah,

00:15:21: okay.

00:15:25: Klar, jetzt gerade wilder, als es jetzt im Endeffekt ist, einfach ein normaler Raum.

00:15:28: Genau,

00:15:28: das ist ein normaler

00:15:29: Raum.

00:15:29: Gut, okay, es ist keine schwarze Box.

00:15:30: Nein.

00:15:30: Ist

00:15:32: klar.

00:15:32: Nein, nein.

00:15:34: Das dachte ich auch, als ich hier gekommen bin.

00:15:36: Ich war gerade kurz.

00:15:38: Will ich es jetzt wissen oder?

00:15:39: Ja, ich muss es gleich wissen.

00:15:41: Ein Weg in die Hilfe ging ja verhältnismäßig fast schnell, so langs jedenfalls, oder?

00:15:45: Na gut, ich musste schon so halb- bis jahr dreiviertel Jahre mindestens warten, bis das alles mit den ganzen Anträgen und so alles durchgegangen ist.

00:15:53: Und ich ja dann auch das Vorstellungsgespräch hier hatte.

00:15:56: Aber im Gegensatz zu eventuell manch anderem ging es bei mir wahrscheinlich eher schneller.

00:16:01: Also ich weiß nicht, wie die anderen warten mussten.

00:16:03: Habe ich auch nie nachgefragt, ehrlich zu sein.

00:16:06: Also schön ist, dass du es ja auch so wahrnimmst, dass das für dich ein Weg war, der verhältnismäßig schnell ging und dir da schnell helfen konnte.

00:16:15: Nick, du hast noch was gerade kurz angesprochen.

00:16:18: Und das ist irgendwie, glaube ich, ein Satz, den haben ganz viele schon gehört, mit ähnlichen Problemen oder Leuten, die sich jetzt wiederfinden.

00:16:25: Dir ein Satz, das ist nur eine Phase.

00:16:27: Was löst der Satz in dir aus?

00:16:31: Das ist nur eine Phase.

00:16:32: Das löst dazu mir aus, dass... Ja, das ist teilweise auch irgendwie, vielleicht möchte man nicht helfen, vielleicht ist es einem egal, wenn es so eine Phase ist, dass man glaubt, es von alleine weggeht.

00:16:43: Dass man quasi auch darauf hofft, dass es alleine weggeht.

00:16:48: Und deswegen vielleicht nichts macht oder wird zu wenig macht.

00:16:52: Weil, wie gesagt, ist ja nur eine Phase.

00:16:54: Also hättest du dir auch gewünscht, dass vielleicht die Phase ernster genommen wird und vielleicht auch früher was passiert?

00:17:00: Das wünsche ich mir in der Tat.

00:17:03: weil wir die Phase vielleicht früher ernst genommen wurden, dann wäre das bei mir zu Hause vielleicht nicht so eskaliert, also hätte es vielleicht nicht so viele Streitigkeiten gegeben.

00:17:12: Und nur weil ich gerade schon mit dir spreche, vielleicht fällt dir trotzdem was ein, wenn Leute dir jetzt gerade zuhören oder euch gerade zuhören und sich irgendwie angesprochen für immer sagen, das trifft das auch auf mich zu oder so, gibt es irgendwie vielleicht ein Tipp oder so oder irgendein Ratschlag, den du weitergeben kannst oder weitergeben möchtest?

00:17:35: Also wenn man in der Phase, jetzt war so ein Anführungszeichen ist und das auch gesagt bekommt, dass man vielleicht schon mal gucken könnte, ob das vielleicht etwas mehr als nur eine Phase ist.

00:17:47: Wenn man das vielleicht über ein, zwei Jahre hinweg geht, sag ich, dass nur eine Phase ist, weil das wäre dann schon eine ziemlich lange Phase, dass das dann vielleicht etwas verdächtig sein könnte, dass das eben keine Phase ist, sondern eine Sucht.

00:18:00: Jetzt bist du anderthalb Jahre hier?

00:18:02: Und ich habe ja schon gesagt, ich habe noch eine kleine Mini-Robrik, die im Prinzip keine richtige ist, sondern nur eine Frage.

00:18:08: Aber das würde mich trotzdem interessieren.

00:18:10: Worauf bist du rückblickend stolz?

00:18:13: Rückblickend stolz bin ich darauf, dass ich jetzt nicht mehr so eine Couch-Potato bin, sag ich mal.

00:18:19: Also eben, dass ich auch öfter mein Zimmer verlasse.

00:18:21: Ich habe auch etwas mehr sozialer Kontakt jetzt wieder.

00:18:24: Ich habe es auch durch Hilfe der Einrichtung geschaffen, eine Ausbildung zu finden als Tischler, die ich letztes Jahr im August angefangen habe.

00:18:32: Und?

00:18:32: Wie läuft's?

00:18:33: Bist jetzt ganz gut.

00:18:34: Also ich kann nicht klagen.

00:18:35: Mir macht's pass.

00:18:36: Ich bin ein bisschen neidisch, muss ich sagen.

00:18:38: Mit Holzarbeiten und so.

00:18:39: Glückwunsch.

00:18:41: Kannst du sehr stolz darauf sein?

00:18:42: Das ist auch ein gutes Handwerk.

00:18:46: Sehr gefragt.

00:18:47: Ich dachte dir, Handwerker kriegen schwierig.

00:18:49: Ja, wir haben auch ganz viele Aufträge.

00:18:50: Also die Wartezeiten sind lang.

00:18:52: Nein, sehr, sehr cool.

00:18:53: Das war's im Prinzip schon fürs Erste.

00:18:59: Spannend, Kai, hättest du gedacht, wenn du an Medienbezogene Störungen denkst, dass es nicht nur die Ego-Shooter-Spiele sind?

00:19:06: Im Kopf hat man natürlich, also ich auf jeden Fall, ich sag nicht Mann, ich auf jeden Fall den Jugendlichen, die zwei Liter IST für sich neben sich und die ganze Zeit schön Counter-Strike Fortnite den ganzen Bums.

00:19:17: Also ich hab wirklich daran gedacht, das muss das Bild sein, aber das ist halt

00:19:22: auch

00:19:22: egal, welches Spiel ist.

00:19:23: Also es geht gar nicht so um das Spiel, hatte ich das Gefühl, sondern eher um einen Schutz, eine Welt.

00:19:28: Weißt du?

00:19:28: Ja, voll.

00:19:29: Und da finde ich, deinen Eindruck war da ja total stimmig mit dem, was Nick so erzählt hat.

00:19:36: Also es geht gar nicht so sehr darum, was jetzt die Spielinhalte sind, die die Jugendlichen da spielen oder konsumieren, auch wenn darüber immer viel diskutiert wird in den Medien, sondern dass das, was eigentlich schwierig ist an der Sache.

00:19:50: ist, dass Jugendliche sich in so Parallelwelten flüchten.

00:19:53: Das hat er ja auch, finde ich, mega gut erzählt, dass er gesagt hat, na ja, es war irgendwie schwierig zu Hause, es gab viele Konflikte, und das ist ja auch was, was wir häufig irgendwie sehen, dass irgendwas schwierig wird im Leben und Jugendliche brauchen einen Ausgleich.

00:20:09: Und das kennen wir ja auch mega gut, oder?

00:20:10: Es

00:20:11: gibt auch Parallelen zu der Substanzfolge, die wir hatten.

00:20:13: Voll!

00:20:13: Also süchtig nach Substanzen, das ist auch im Prinzip ein Parallelwelten-Schutzraum.

00:20:18: indem man sich flüchtet vor Problemen, die in der Realität passieren.

00:20:22: Und so ein bisschen hatte ich daran, muss ich so sehr denken.

00:20:24: Absolut, da finde ich sagst du auch gerade was total spannendes, weil tatsächlich... Es wird ja immer super viel geforscht auch, am Gehirn und so.

00:20:31: Und viele stellen sich vielleicht ja auch die Frage, warum können wir eigentlich nicht aufhören

00:20:35: zu spielen.

00:20:38: Also das eine, was ich super spannend finde, ist, dass tatsächlich man zeigen konnte, dass wenn wir spielen, also wenn wir uns so in den Medien bewegen, dass das so gleiche... Sachen auslöst in unserem Gehirn, wie wenn wir zum Beispiel Drogen konsumieren.

00:20:52: Das wird nämlich so ein Glückshormon, also so Dopamin, das wird freigesetzt und wir kriegen so ein Gefühl von, wir brauchen mehr davon.

00:20:59: Das macht uns Spaß, das macht irgendwie Freude.

00:21:02: Kann man auch nachempfinden, ne?

00:21:04: Also wenn man schon mal so ein Löffel geschafft hat, man hat daran rumgeackert und dann ist man, ist man hinterher happy, okay.

00:21:09: Genau.

00:21:11: Um das stoppen zu können, müssten wir ja eigentlich super gut und selber kontrollieren können.

00:21:16: Und das fällt uns Erwachsenen ja oft schon schwer.

00:21:18: Aber das fällt Jugendlichen noch viel schwerer und Kindern auch, weil die Strukturen, die man dafür braucht im Gehirn, noch gar nicht so ausgereift sind wie bei Erwachsenen.

00:21:28: Das erklärt, warum viele Kinder und Jugendliche... noch schwerer aufhören können mit dem Spielen, als wir Erwachsenen das können.

00:21:35: Jetzt reden wir natürlich irgendwie viel über das Spielen und irgendwie sind wir schnell bei der Konsole und so.

00:21:39: Medienbezogene Suchterkrankungen ist natürlich auch ein Punkt.

00:21:43: Ich habe es gerade im Interview mit Nick Hörtmann schon.

00:21:47: Ich habe mein Handy auf jeden Fall definitiv viel zu viel in der Hand und gucke da drauf, Social Media und so.

00:21:53: Das klammern wir ganz bewusst gerade ein bisschen aus.

00:21:56: Genau, weil auch das finde ich mega spannend.

00:22:00: Aktuell ist es so, dass man in Deutschland tatsächlich als Diagnose letzten Endes nur so, man nennt das so, pathologisches Spielen vergeben kann.

00:22:09: Also, dass man sozusagen nur dann davon spricht, dass jemand eine Suchterkrankung hat in dem Bereich, wenn er sozusagen Glücks- oder PC-Spiele spielt.

00:22:19: ohne die kontrollieren zu können.

00:22:21: Okay, also das heißt, es gibt ein Katalog für Therapeutinnen und Therapeuten.

00:22:25: Da steht drin so, ich mach Glückspiel, das ist Krankheit, aber Social Media, ich bin acht, zwanzig Stunden am Tag, das ist relativ viel am Tag, an Instagram und TikTok und so, das ist noch keine Krankheit, weil es eben nicht im Katalog steht.

00:22:38: Ja, voll nicht, das ist spannend, oder?

00:22:40: Ja.

00:22:40: Und das heißt, wenn ich jetzt gerade irgendwie viele PC-Spiele spiele, dann kann ich schon eine Diagnose kriegen.

00:22:46: nach genau den Dingen, die Nick, finde ich, total gut benannt hat.

00:22:49: Also, wenn man irgendwie das Gefühl hat, man kann das nicht mehr kontrollieren.

00:22:52: Also, das Zeitgefühl geht einem total verloren, wenn man andere Lebensbereiche und Interessen völlig vernachlässig.

00:22:59: Das hat er ja auch super schön erzählt, dass er einfach Freunde im realen Leben nicht mehr getroffen hat, wenig Zeit mit der Familie verbracht hat, nicht mehr zur Schule gehen konnte.

00:23:09: dann sehen wir ganz häufig, dass das Spielen so fortgesetzt wird, obwohl wir uns der negativen Konsequenzen bewusst sind.

00:23:16: Also auch, wenn wir wissen, das schadet uns jetzt, zu spielen statt zur Schule zu gehen, können wir irgendwie nicht anders.

00:23:23: Und wenn dann irgendwann in der Folge dadurch auch so ein Leidensdruck entsteht und wir irgendwie... so eingeschränkt sind in unserem Leben, wie er das ja berichtet hat von der Schule.

00:23:32: Dann würde man sagen, dann gibt es so eine pathologisches Spielen, sozusagen als Diagnose im Bereich von PC-Spielen.

00:23:39: Und was du aber ja jetzt gerade mega gut ... Noch mal auf den Punkt gebracht, das ist, dass ja die Entwicklung in den letzten Jahren so krass zugenommen hat und eigentlich viele Kinder und Jugendliche ja viel mehr auch so auf Social Media Zeit verbringen.

00:23:52: Wir erwachsen ja übrigens auch.

00:23:54: Und dass Experten sich da Gedanken gemacht

00:23:56: haben und

00:23:57: dass die Diagnosen verändert werden sollen in den nächsten Jahren.

00:24:01: Und dass man das aufsplittet.

00:24:02: Dass es eben auch eine Abhängigkeit geben kann.

00:24:05: Einmal von Computerspielen, aber genauso auch zum Beispiel von Social Media.

00:24:08: Und das finde ich mega spannend.

00:24:11: Laura's Fall, auch von Büchern zum Beispiel.

00:24:15: Oder dazu kommt es auch ihr Medienkonsum, aber in erster Linie ist auch die Fantasienfluchtraum und das finde ich super spannend bei dem Gespräch mit Laura.

00:24:25: Ja, hören wir mal rein.

00:24:30: Hallo Laura.

00:24:31: Hallo Kalk.

00:24:33: Ich habe sie ja auch schon gesagt, super cool, dass du mitmachst und du hast jetzt ja schon ein bisschen Mäuschen spielen dürfen.

00:24:41: Aber ich hab natürlich auch für dich, die Rubrik.

00:24:45: Mediensucht fühlt sich für mich an wie.

00:24:48: Für mich, wenn ich da zurückgucke, hab ich immer diese schwarze Wand hinter mir.

00:24:53: Die hatte ich während meiner Depressionszeit auch.

00:24:57: Hängt vielleicht damit zusammen, dass ich meine Mediensucht und meine Depression im gleichen Verlauf hatte, also im gleichen Zeitpunkt.

00:25:05: Und an sich war die Zeit an sich auch ... irgendwie schön sich in seine eigene Welt zurückzuziehen, die man sich aufgebaut hat, sich dort wiederzufinden, so Charakter zu erstellen, eigenes Leben erstellen, das, was man sich vielleicht wünscht.

00:25:23: wie es laufen könnte.

00:25:24: Bei dir ist es ja gar nicht so das Spielen an sich, sondern...

00:25:27: Nee, bei mir ist das nicht das Spielen.

00:25:28: Also ich habe auch gespielt, aber nicht so wie andere vielleicht fünf Stunden am Tag.

00:25:34: Ich habe vielleicht eins bis zwei Stunden gespielt und das auch nicht jeden Tag, sondern meistens nur in den Ferien und das auch nicht jeden Tag oder am Wochenende.

00:25:43: Du hast deine eigene Welt ja nicht, du bist ja nicht in einer Welt, die besteht, geflüchtet, sondern du hast ja das ja deine eigene Welt gebaut.

00:25:49: ... wenn ich das richtig verstanden habe, oder?

00:25:51: Nicht ganz.

00:25:51: Also am Anfang ... ... hatte ich noch die Welt von der Helderinge.

00:25:55: Die hatte ich dann, sag ich mal, ... ... in meinen Kopf, ... ... hab mich da zurückgezogen ... ... und hab mir da meine eigene Welt ... ... erschaffen.

00:26:02: Wie war für dich der ... ... Weg zu dem Punkt, wo du gesagt hast, ... ... das hat meinem Leben nicht gut getan?

00:26:08: Also, wann musstest du, ... ... hast du gemerkt oder ... ... hast du gemerkt überhaupt, ... ... dass für dich gerade ungesund ist?

00:26:15: Also, irgendwann wurde das in meiner alten ... Einrichtungen immer schlimmer, immer mehr Streit, jeden Tag Streit, jeden Tag Stress.

00:26:22: Und auch meine Depressionen wurden immer schlimmer, immer schlimmer, deswegen ich dreimal in der Klinik war.

00:26:29: Und diese Depressionen kamen halt auch durch die Welten, weil ich in diese Welt rein wollte und ich konnte.

00:26:35: Und vor eineinhalb Jahren habe ich gemerkt, nee.

00:26:39: Das wird schlimmer und schlimmer und ich kann nächstes Mal machen, meine Noten sind schlimmer.

00:26:43: Ich konnte zu easy einen Gnasiumabschluss machen und habe nicht mal zu mein Zehnerhub bekommen.

00:26:48: Und dann letztes Jahr, ungefähr vom genauem Jahr, hatte ich dann den großen Zusammenbruch.

00:26:53: Bin dann in die Klinik, habe dann meine alte Wohngruppe verlassen, kam dann in die Obhutnahme und kam jetzt hierhin.

00:27:01: Und ja, da wurde es halt besser.

00:27:04: Also am Anfang habe ich mich zwar noch viel... ... in die Bücher zurückgezogen, ... ... als ich mich noch nicht ... ... der neuen Schule angebunden habe oder ... ... ich war in einer Schule angebunden, ... ... bin dabei nicht hingegangen ... ... und dann wurde das aber besser, also ... ... jetzt zurzeit ... ... komme ich nicht mehr dazu, ... ... irgendwie irgendwas mit meinen Büchern zu machen.

00:27:23: Du hast so viel zu tun.

00:27:24: Genau, ich habe so viel zu tun.

00:27:26: Und ... ... war das für dich dann ein Punkt, ... ... dass du gedacht hast, ... ... ich brauche als Hilfe?

00:27:30: Und war das für dich ... ... ein Punkt darüber, ... ... du dich dann gefreut hast, ... ... sie zu bekommen, ... ... ging da wie ... War der Weg zur Hilfe, ging das gut für dich?

00:27:40: Und wie war das hierhin zu übelsten?

00:27:42: Habe ich so viele Fragen auf einmal, aber du kannst die alle verarbeiten, das weiß ich.

00:27:45: Genau.

00:27:46: Ich war schon immer eine Person, die gesagt hat, nein, ich schaff alles alleine, ich brauche keine Hilfe.

00:27:51: Meine alte Einrichtung hat mich so oft in Kliniken gesteckt und hat gesagt, hier, du kommst erst zurück, wenn du dich verändert hast.

00:27:58: oder die haben auch gesagt, du brauchst Hilfe.

00:27:59: Und ich war fast der Meinung, dass ich keine Hilfe brauche.

00:28:02: Dann war ich für eine Woche in der Klinik wegen meiner Depression.

00:28:06: Und dann habe ich gesagt, gut, gib mir jetzt einfach meinen Therapeuten, den habe ich erst ein Jahr später bekommen.

00:28:13: Und die konnte mir nicht helfen, weswegen ich immer weiter gesagt habe, nein, ich brauche keine Hilfe.

00:28:19: Im letzten Endes kam ich dann in die letzte Klinik für einen Monat und habe dann gemerkt, also ... Da muss was geändert werden und selbst wenn ich das nicht hinbekomme, dann muss es irgendwann anders hinbekommen.

00:28:33: Die Therapeutin da hat mir gesagt, ich hätte keine Medien sucht, hat das Zehntausendmal meinen Vormand versucht zu erklären.

00:28:40: Aber vielleicht, weil die Medien sucht da anders eingestuft wurde.

00:28:44: Und dann kam ich in die Obhutnahme.

00:28:48: Da war ich zwar immer noch gegen die Hilfe und war eigentlich immer noch gegen eine Meinung.

00:28:53: Ich schaff das schon, ich zieh mich da raus.

00:28:56: Aber da für mich keine andere Wohngruppe gefunden wurde, kam ich hierhin, selbst hier, aber ich habe einfach noch gesagt, nein, ich schaff das, lasse mich in Ruhe, bis ich dann selber gesagt habe, nee, mach dir jetzt einfach was ihr wollt, gib mir eure Hilfe.

00:29:10: Das ist auch ein richtig krasser Schritt.

00:29:12: Also das klingt ja auch immer so, wenn man sagt, ja, ich habe jetzt Hilfe angenommen, als würde jemand kommen, gebt einem die rote Pille und dann ist man, dann ist wieder alles toll.

00:29:21: Das ist ja leider nicht so.

00:29:22: Da habe ich jetzt schon irgendwie von vielen gehört und Herr Prof.

00:29:27: DeHolkmann hat das am Anfang schon gesagt, da fand ich das Bild so schön.

00:29:29: Es ist irgendwie ja gerade bei so psychischen Erkrankungen immer so ein bisschen so schwierig, weil einerseits ist man auf Hilfe angewiesen und ist krank, andererseits muss man die Arbeit aber trotzdem alleine machen.

00:29:42: Aber die Arbeit ganz alleine zu machen ist manchmal ja oftmals ja gar nicht so der beste Weg.

00:29:48: Manchmal ist die Hilfe, die man hat, einfach nur, dass man nicht vielleicht alleine damit ist oder sich die Möglichkeit kriegt zu öffnen, so habe ich es jedenfalls immer bisher so rausgehört.

00:29:58: Und ab wann war denn für dich der Punkt, wo du gesagt hast, die Hilfe tut mir gut?

00:30:02: Das war ja hier.

00:30:04: Und also am Anfang dachte ich mir so, war ich schon an überlegen, ja, nehme ich die Hilfe an oder nicht.

00:30:11: Und da dachte ich, ich hab mein Leben ganz gut im Griff, bis ich jetzt zurückgucke.

00:30:16: Und dann war ich ja hier, war noch in der Moning-Touring-Phase, war ganz drauf, besessen zu beweisen, dass ich nicht so sehr am Handy war.

00:30:24: Da wusste ich nicht, dass es noch an der Medien Suchten gab.

00:30:28: Und dann hatte ich diese eine Stufe.

00:30:31: Und dann, selbst diese eine Stufe hat wirklich stark geholfen.

00:30:35: Weil ich gemerkt habe, hier sind auch andere, mit denen kann ich spielen.

00:30:40: Und das hat wirklich sehr geholfen, also wirklich keine Lüge.

00:30:43: Also das war krass.

00:30:46: Und als ich erst hierhin kam, mir die eine Stunde gegeben wurde, habe ich die anderen langsam kennengelernt und habe langsam auch gemerkt, wie schön das Leben eigentlich hier ist.

00:30:57: Vor allen Dingen war ich auch vom Dorf auf.

00:30:59: in die Stadt gezogen bin und hier viel mehr Kontakte gibt, wenn ich das so nennen kann.

00:31:03: Ich kann mich hier besser anknüpfen.

00:31:05: Das hat mir wirklich geholfen.

00:31:07: Also, wie gesagt, war wunderbar.

00:31:10: Wir beide haben ja schon gesagt, wir sind ja verbundene Dorfkinder im Prinzip.

00:31:13: Also Dorf hat viel Schönes.

00:31:15: Aber man ist eben auch am Ärmel der Welt.

00:31:20: Also wirklich.

00:31:21: Ganz am Ende.

00:31:22: Und bei dir ist es ja so, man trifft dich und man weiß ja sofort, du hast ja eine unglaubliche Fantasie, aber eine Fantasie kannst du ja nicht ausschalten.

00:31:30: Also wenn ich das zum Beispiel vergleiche mit einer Mediensucht, die eine Konsole gebunden ist, kann ich die ausschalten.

00:31:35: Wenn ich über Mediensucht nachdenke, würde ich Handy, Konsole, Computer.

00:31:40: Wie war's bei dir?

00:31:41: Weil scheinbar was ein bisschen anders.

00:31:42: Also bei mir war das halt, Bücher werden ja auch als Medien angesehen.

00:31:46: Vergisst man fast, ne?

00:31:47: Ja, das vergisst

00:31:48: man schon.

00:31:49: Das sind diese Dinger, die man aufklappen kann mit Papier.

00:31:52: Am

00:31:52: Anfang habe ich viel gelesen.

00:31:53: Mein allererstes Buch war der Herr der Ringe.

00:31:56: War ein guter Start, weil der Herr der Ringe, man kennt's, ziemlich schwer ist.

00:32:00: Und dann irgendwann, also mit zwölf habe ich dann entschieden hier, ich habe so viel Fantasie, also ich habe damit schon mit Playmobil Drachen gespielt.

00:32:10: Und viele haben mir schon gesagt, wow, du hast so eine fantastische Fantasie.

00:32:15: nutzt die oder so, also so oft hab ich das gehört.

00:32:18: Und dann kam ich, als ich zwölf war, spontan auf die Idee, hier schreibt mein Elder erstes Buch.

00:32:24: Hat dir eigentlich gesagt, weil ne Fanfiction war es aber nicht.

00:32:28: War mal mit Geparden, hab ich dann aber abgebrochen.

00:32:32: Und dann hat sich die Fanfiction angefangen.

00:32:34: Und dann hab ich mich darin reingesteigert und dann halt auch mich in diese Fernsehsiewelt reingestellt.

00:32:40: Mich als Person genommen, reingestellt und ... So, sag ich mal, gemalt.

00:32:45: Meine Welten gemalt.

00:32:47: Krasses Bild.

00:32:48: Also würdest du sagen, die eigene Welt, die du erschaffen hast, ist deine Sucht?

00:32:53: Oder kann man das sogar nicht sagen?

00:32:55: Würde ich nicht so sagen.

00:32:56: Also ist mein Meisterwerk, so nenne ich das.

00:32:59: Ich gehe zwar gerne da rein, weil ich das durch meine Sucht erstellt habe und halt dadurch so prägend ist.

00:33:08: Hey, ich weiß sofort, wo ich bin und so weiter.

00:33:10: Ich würde aber nicht sagen, dass das meine Sucht ist, weil ich schreibe noch an viele andere Rübige über andere Sachen.

00:33:15: Also ich habe wirklich viele andere Welten.

00:33:18: Ich versuche nur zu verstehen, weil ich das so spannend finde.

00:33:24: Du hast es ja selbst gerade gesagt, das ist was, was man eigentlich immer so positiv, das ist ja rein positiv, wenn man jemand sagt, du hast eine blühende Fantasie gerade bei Kindern und das ja eher auch fördern will.

00:33:34: Und bei dir bin ich noch nicht ganz dahinter gestiegen, wo das für dich das Problem ist.

00:33:40: Also bei mir war das Problem, dass ich mich dadurch oft, also zum Beispiel in den Role-Plays, also ich hatte auch WhatsApp Role-Play-Gruppen, ich habe jetzt wieder eine, die ist aber nicht so krass wie damals, ich habe heute Role-Play-Gruppen, habe wirklich viel zu sehr sieben öfters auf mein Handy geguckt und... ... in diesen Vollplay-Gruppen mitzumachen.

00:33:59: Das heißt, das ist eine WhatsApp-Gruppe.

00:34:00: Entschuldigung, jetzt die Nachfrage, aber das ist eine WhatsApp-Gruppe.

00:34:03: Du erstellst zusammen eine Geschichte, kann das sein?

00:34:06: Du bist in der Rolle,

00:34:07: ne?

00:34:07: Nee, also ja, doch so ähnlich.

00:34:09: Also, du erstellst dir ein Charakter, der wird OC genannt, also Own-Charakter.

00:34:14: Und also, du kannst mehr als einen erstellen.

00:34:16: Und dann schreibt man halt mit anderen Personen so eine Story, also ... ... also nicht ganz wie du.

00:34:21: Ein Kettenbrief.

00:34:23: Kennst du nicht?

00:34:24: Kein Kettenbrief.

00:34:25: Sonst würde WhatsApp für das Spacken.

00:34:28: Also, so wie normaler Shit.

00:34:29: Ja, ja.

00:34:29: Und jeder schreibt halt, sag ich mal, seine eigene Geschichte, aber Charakter können sich koppeln.

00:34:34: Ah, ja, okay.

00:34:34: Ah,

00:34:34: jetzt hab ich's.

00:34:35: Genau.

00:34:36: Es ist kompliziert.

00:34:37: Ein

00:34:37: Kettenbriefer.

00:34:38: Früher konnte man immer so, du schreibst mal, oder die unendliche Geschichte ist das.

00:34:41: Da hat man der erste Schreibt drei Wörter, der andere schreibt drei Wörter weiter.

00:34:44: So ist es nicht.

00:34:45: So ist es nicht lang.

00:34:46: Sondern jeder schreibt seine eigene Geschichte und die können sich aber begegnen.

00:34:49: Genau, also die koppeln sich meistens.

00:34:51: Also wirklich oft.

00:34:52: Also dann schreibe ich halt dahin.

00:34:55: Okay,

00:34:56: nur dass ich das mal verstanden habe.

00:34:57: Ja, alles gut.

00:34:57: Das war dann schon etwas, was dich dann doch irgendwie an deinen, jedenfalls an deinen Chat gebunden hat.

00:35:03: Genau.

00:35:04: Okay.

00:35:05: Und ja, dann gibt es halt wieder, wie gesagt, zu der Büchermedien sucht.

00:35:10: Ich habe halt, wie gesagt, auch... wirklich oft gelesen, ich habe oft auf Wattpad irgendwas gelesen und ja, mich auch auf TikTok zurückgezogen, habe Eddits dazu gesehen.

00:35:21: Ich weiß nicht, Eddits bist du, glaube ich, kenne.

00:35:24: Also, gestnitten

00:35:26: Videos, genau.

00:35:27: Okay, dann ist gut, dass wir es erklären, weil ich, ehrlich gesagt, hätte ich das Wort jetzt nicht benutzt, weil ich habe jetzt versucht zu antizipieren, weil das ist, setzt voraus, dass ich nichts weiß.

00:35:37: Alles gut.

00:35:38: Und habe mich halt... Also, ihr habt auch viele Sachen von dem Ausgedruckt, z.B.

00:35:44: von der Person, die in dieser Welt lebt.

00:35:47: Jetzt habt ihr beide ja schon ganz viel geschafft, wovon was andere vielleicht noch nicht haben oder nicht die Chance dazu hatten oder vielleicht auch nicht den Mut.

00:35:57: Ihr seid ja hier und redet darüber, das ist schon was ganz Tolles und ihr seid schon länger in Behandlung.

00:36:02: Hast du vielleicht noch einen Tipp an jemanden, der oder die sich ... da angesprochen fühlt.

00:36:07: Also meine Tipps, ich habe zwei.

00:36:10: Erstens, es gibt keine Phasen.

00:36:12: Es

00:36:13: gibt niemals Phasen.

00:36:14: Also, es hätte eine Person zu einem sagen, das ist nur eine Phase.

00:36:19: Lügt diese Person.

00:36:21: Bei Phasen sollte ein kleiner Abschnitt sein.

00:36:24: Und wenn es sowas betrifft, sind es auf keinen Fall Phasen.

00:36:27: Also, wenn es Depressionen sind, Suizid oder andere psychologische Probleme sind, dann... wird das niemals eine Phase sein.

00:36:35: So was kann nicht von alleine weggehen.

00:36:39: Und mein anderer Tipp ist halt, selbst wenn man davon Angst hat, dass jemand zu sagen wäre, dass trotzdem besser ist zu sagen.

00:36:48: Also lieber einmal zu früh was sagen hat, einmal zu spät.

00:36:51: Genau.

00:36:52: Okay.

00:36:53: Sonst bereut man das dein ganzes Leben.

00:36:55: Ja, im besten Fall nicht.

00:36:58: Was hat sich für dich... ... positiv verändert, sagen wir mal so, was du jetzt so sagen würdest.

00:37:02: Und jetzt habe ich sehr gute Noten, ... ... habe gestern eine zwei-plus-in-matte zurückbekommen.

00:37:06: Glückwunten, eine zwei-plus-in-matte?

00:37:07: Ja.

00:37:08: Boah,

00:37:08: okay, das ist klar.

00:37:09: Ja, nur erst eine Ansage.

00:37:10: Ich finde

00:37:11: einfach süß dich auf mein Klassenkamerad, ... ... der hat eine eins-plus.

00:37:14: Ja, gut.

00:37:15: Kannst ja noch dahin kommen.

00:37:16: Ja.

00:37:17: Also das hat mir sehr geholfen und auch Freunde.

00:37:21: Außerhalb, also mit denen treffe ich mich wirklich jede Woche.

00:37:25: Das gefällt mir halt wirklich sehr und da habe ich kaum gemerkt, dass ich nur noch eine Stunde Mehlenzeit hatte und habe dann auch ein gutes dreiviertel Jahr nicht gewollt.

00:37:36: Also wir haben so ein Stufensystem und ich wollte meine Stufen nicht hören.

00:37:39: Also ich habe gesagt, ich bleibe jetzt bei dieser Stufe erstmal.

00:37:42: Das heißt, die Medienzeit wird dann nicht hochgeschraubt oder bleibt es erstmal?

00:37:45: Genau.

00:37:45: Ich war dann die ganze Zeit bei... Stufe eins und dann hatte meine Lux-Betreuerin oder auch viele anderen gesagt, hey, du musst mal eine Schuhe höher und so weiter.

00:37:54: Du hast eigentlich die Mitte und so weiter.

00:37:56: Das Problem, was mir halt gefehlt hat, war das Hobby.

00:38:00: Und ich hatte keinen Hobby.

00:38:02: Ich wollte die ganze Zeit Bogen schießen.

00:38:04: Hat nur ein bisschen viel gekostet.

00:38:07: Und irgendwann hat die Einrichtung dann gesagt, dass wir keine Hobbys mehr machen müssen, sondern Freizeitaktivitäten außerhalb.

00:38:14: Also... Man trifft Freunde, man geht in den Park und dann bin ich auch meine Stufe weiter hochgegangen und ... ... mittlerweile bin ich ... ... habe ich vier Stunden ... ... und manchmal merke ich mir so ... ... nee, mein Handy ist grad einfach viel zu langweilig.

00:38:29: Eigentlich fühle ich grad was anderes machen.

00:38:30: Cool.

00:38:31: Krass.

00:38:32: Also ... ... es hat sich ja für dich ... ... in dem einen Jahr ... ... alles um hundred und achtzig Grad gedreht gefühlt.

00:38:38: Ja, also ... ... ich gucke da immer gerne zurück, also für mich ... ... also ich bin selbst stolz auf mich, muss ich sagen.

00:38:44: Ich sag das ... meine Bezugsbetreuerin sehr gerne, wie ich mich damit fühle, wie ich cool ich das finde und auch wie krass ich das finde, dass ich jetzt diese Stufen hochgegangen bin und was ich eigentlich auch geschafft habe mit den Noten und auch... Mit der Schule.

00:39:03: Ich hab nie gedacht, dass ich wirklich so weit komme mit meinen Noten.

00:39:06: Also, so gut.

00:39:06: Ich hatte dann wirklich noch nie einen Zwecklos von Mathe nach Hause gebracht.

00:39:10: Ich war gestern so stolz, als ich die dann in der Hand fiel.

00:39:13: Herzlichen Glückwunsch.

00:39:14: Danke.

00:39:15: Also, du hast mir die Frage fast vorweggenommen.

00:39:17: Aber das wär ja meine nächste Frage gewesen, worauf bist du rückblickend stolz?

00:39:20: Du hast ganz viele coole Sachen schon aufgezählt.

00:39:23: Dann schiebe ich noch eine nach.

00:39:25: Wo rückst du hin?

00:39:26: Gibt's irgendwas in deinem Leben?

00:39:27: oder sagst, das wünsche ich mir so als für mich als Ziel.

00:39:31: kann beruflich sein, kann eine Einzelmatte sein, kann aber auch privat sein.

00:39:35: Also

00:39:35: ich hatte ja schon so leicht angedeutet, dass ich Autorin bin.

00:39:40: Und also meine größten Ziele sind halt entweder Schauspielerinnen zu werden, aber ich möchte halt, dass meine Bücher erfolgreich werden.

00:39:47: Also ich habe jetzt schon richtig gute positive Rückmeldung.

00:39:52: Also, ich werd auch schon oft von meinen Freunden oder meinen besten Freunden gefragt, wann bringst du dein Buch raus?

00:39:57: Wann bringst du dein Buch raus?

00:39:58: Ich wär raus, ich wär eine Unterschreibung, ich wär ein Auto gerammt.

00:40:01: Ich würd bei deiner Buchvorstellung dabei sein.

00:40:04: Darauf bin ich auch sehr stolz auf meine Bücher.

00:40:06: Siehst du das als Gefahr für dich, dass du wieder... Sagen wir, da du den Bezug verlierst oder zu sehr da drin bist, oder bist du damit, fühlst du dich so sicher und so safe, dass das gut klappt?

00:40:18: Also ich hatte ja gesagt, dass ich stolz auf mein Buch bin und meine ersten beiden richtigen Teile, also auf denen ich am meisten stürzt bin, bin ich so da so fertig.

00:40:28: Aber ich glaube nicht, dass ich da rein verfallen werde, weil ich ja trotzdem noch andere Termine habe und diese Termine mich ja trotzdem davon fernhalten, weil die ja für meine Zukunft sind.

00:40:38: Ja.

00:40:39: Also echt vielen, vielen Dank.

00:40:40: Ich gerne.

00:40:44: Mega spannend auch irgendwie gerade jetzt bei den beiden, bei so einem erstmal total überschaubaren Thema wie Medienbezogene Störungen, so krass unterschiedliche Wege zu sehen in die Therapie, aber auch mit damit umzugehen.

00:41:00: Ich finde, wo beide ja unglaublich stolz schon sein können darauf, und das sind sie auch zum Glück, dass sie ja gerade Wege finden, wieder in die reale Welt.

00:41:10: Voll.

00:41:10: weil ich glaube das Problem, was beide am meisten hatten, war, dass die andere Welt verfügbar war für sie und die da immer super hingehen konnten und hingehen können, das stell ich mir super schwierig war, weil die ja immer da ist.

00:41:22: Voll, ist das glaube ich auch, ne?

00:41:24: Weil du, also du kannst ja Medien heutzutage nicht mehr entfliehen und es ist ja auch nicht nur schlecht, dass wir Medien haben, so, ne?

00:41:32: Sagst

00:41:33: du, es ist schon gut auch Wege zu finden mit... Problem oder mit Stress zu dielen.

00:41:38: Ich meine, jeder hat ein Hobby, wo man sich reinbegibt oder so.

00:41:42: Wahnsinn auch, dass die eigene Fantasie da so ein Thema ist, was einen da auch mal entlastet und den Kürbis auch mal ein bisschen ruhen lässt.

00:41:50: Mega.

00:41:50: Also ich finde auch, was Laura erzählt hat, eigene Geschichten zu schreiben, das ist was total Besonderes und eine große Kompetenz, die sie da auch hat.

00:41:59: Aber ich glaube, schwierig wird es einfach dann, wenn das Maß nicht mehr passt.

00:42:03: Egal ob ich

00:42:03: jetzt... Wann passt das Maß?

00:42:05: nicht mehr, da bin ich gespannt.

00:42:06: Ja, ich glaube auch da gibt es wie immer nicht so die eine Zahl, wo man sagen würde, okay, wenn du jetzt irgendwie, weiß ich nicht, fünf Stunden am Tag spielst, dann ist das Maß voll, so was ist mir nicht bekannt.

00:42:18: Das Maß ist, glaube ich, dann einfach voll, wenn du selber schon das Gefühl hast, du kannst nicht mehr aufhören damit, so.

00:42:26: Und was ich wirklich auch entscheidend fand und das haben beide gesagt, ist, wenn ... andere Lebensbereiche eben vernachlässigt werden.

00:42:33: Und das spiegelt sich ja auch so in den Kriterien ... ... für die Diagnose.

00:42:36: Ja, genau.

00:42:36: Und wenn ich einfach ... ... wenn ich auch ... ... weiter schreibe ... ... oder ein Computerspiel, obwohl ich weiß, ... ... boah, das ist jetzt eigentlich auch ... ... mit negativen Konsequenzen verbunden, ... ... weil ich ... ... die Schule nicht mehr schaffe ... ... oder weil ich meine Freunde überhaupt nicht mehr sehe.

00:42:49: Und ... ... dann würde ich denken, ist das Maß einfach voll.

00:42:52: Und auch wenn du dich ... ... wenn du dir selber schon die Frage stellst ... ... scheiße, wie soll ich damit eigentlich aufhören?

00:42:58: Also wie ... Wie soll ich das denn aufhören?

00:43:01: Ich kann doch gar nicht mehr aufhören.

00:43:03: Dann wäre eigentlich der Zeitpunkt, sich Unterstützung zu holen.

00:43:06: Und spannend ist ja, ich meine, da wirst du viel mehr sagen und viel zu allem mehr sagen können als ich.

00:43:12: Aber scheinbar gibt es ja auch dafür, verschiedene Skills, Möglichkeiten zu lernen, damit zu dienen und das... wieder hinzukriegen, also wie gesagt den Schritt wieder in die Realität zu schaffen, oder?

00:43:24: Ja voll, also ich finde, was beide ja erst mal berichtet haben, was ihr Weg raus war, war das... Erstmal die Medienzeit irgendwie beschränkt wurde.

00:43:34: Ich finde total wichtig zu erwähnen, dass die nicht ganz weggenommen wurde.

00:43:37: Weil das ist einfach ja auch nicht realistisch.

00:43:39: Das geht

00:43:39: ja auch gar nicht.

00:43:40: Also du kannst ja heute nicht mehr ohne Bildschirm, ohne Medien

00:43:43: überhaupt

00:43:43: nichts mehr machen.

00:43:44: Aber dass die Zeit einfach eingeschränkt wurde, dass es weiter Teil des Lebens bleiben darf, aber halt nicht.

00:43:51: So dass wieder Raum entstehen konnte für alles gut.

00:43:56: für ein echtes Leben.

00:43:57: Ja, ich glaube, das fand ich so wichtig, weil eine Beschränkung und Medienbeschränkung, ich weiß noch, ich hatte früher mal Fernsehverbot.

00:44:04: Das war das Schlimmste für mich.

00:44:06: Aber das ist keine Bestrafung, sondern das ist eher eine Hilfestellung, damit man wieder das andere sieht.

00:44:13: Ich kann mir vorstellen, wenn man in so was drin ist wie ein Buch oder ein Spiel oder Musik oder wo drin auch immer, dann ist man so im Tunnel.

00:44:19: Und wenn man da so drin ist, dann sieht man links und rechts nichts mehr.

00:44:22: Und das haben beide irgendwie so schön erzählt, dass das eben... ... gar nicht als Bestrafung empfunden wurde, ... ... sondern auch gerade zum Beispiel Laura, die gesagt hat, ... ... ich wollte erst mal gar nicht mehr Medien, ... ... als es mir sogar zustammen wurde, ... ... weil ich gerade so Spaß daran hatte, ... ... was links und rechts passiert.

00:44:35: Das war so ein Orientierungsrahmen.

00:44:37: Ja,

00:44:37: genau.

00:44:38: Und ich finde, was ich einfach auch mega wichtig finde, ... ... der Weg kann nicht sein, ... ... dass Mediennutzung irgendwie ... ... für immer ... ... nur vorgegeben wird ... ... und eingeschränkt wird.

00:44:51: sondern ich finde eher wichtig, dass man dann mit den Kindern und Jugendlichen dahin guckt, wie können die dann selber wieder Kontrolle erlernen?

00:44:59: Also wie werden die selberfähig dazu für sich einzuschätzen?

00:45:03: Bis dahin ist es für mich okay und ich kann parallel ein gutes, reales Leben führen.

00:45:09: und ab wann wird es für mich zu viel und wie muss ich da reagieren?

00:45:12: Und ich glaube, das ist schon sehr individuell verschieden und gleichzeitig gibt es, glaube ich, schon ganz gute Ansätze auch genau das, Kindern und Jugendlichen beizubringen.

00:45:23: Du meinst dieses schreckliche Wort Medienkompetenz?

00:45:26: Ja.

00:45:27: Das klingt sofort nach Schule, aber... Das klingt ja nach Schule, ja.

00:45:31: ...um mal zu lernen, wie gehe ich eigentlich wirklich damit um, eigentlich muss ich da auch nochmal einen VHS-Kurs belegen, weil man häufig irgendwie, glaube ich, keinen Bezug dazu hat.

00:45:39: Ist aber ein super Thema, was wir im Deep Dive auf jeden Fall nochmal

00:45:42: aufgreifen.

00:45:42: Ich wollte gerade sagen, da hast du deinen VHS-Kurs

00:45:45: im

00:45:45: Deep Dive.

00:45:46: Ja, den werde ich mal besuchen.

00:45:47: Also wir machen dazu natürlich wie immer und wenn ich wir sage, meine ich natürlich Davina und wirklich Fachpersonal, die sich damit auskennen.

00:45:55: da bin ich dann nicht mehr von der Partie, weil es dann wirklich darum geht, es geht darum, um Medienkompetenz zu erlernen, wie kriege ich eigentlich die Skills damit umzugehen, was gibt es da für Möglichkeiten?

00:46:05: Und da geht ihr nochmal deep rein.

00:46:08: Genau.

00:46:08: Und wie immer gilt natürlich, wenn ihr diese Folge gehört habt und ihr denkt, hey, das trifft vielleicht auf mich zu oder mir geht es damit nicht gut, sucht euch Hilfe, sprecht Leute an und wir packen natürlich wie immer alles auch in die Show-Notes, wo ihr Hilfe findet und ihr könnt uns natürlich auch immer schreiben und anhauen.

00:46:24: Und die, ich kann auch sagen, als Erfahrung, die Leute bei der LWL Uniklinik haben und auch bei allen anderen LWL Unikliniken, die sind, wir haben solche Ohren, die hören immer gerne zu.

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